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Schmerzen der Gelenke
Arthrosen sind Gelenkerkrankungen, die mit irreparablen Veränderungen am Gelenk und Knochen einhergehen. Diese Veränderungen schreiten im Laufe der Jahre immer weiter fort und verursachen schmerzhafte Entzündungen. In vielen Fällen schränkt die Erkrankung die Beweglichkeit, die Bewegungsfreude und damit die Lebenslust der Tiere erheblich ein. Arthritische Veränderungen in einem oder mehreren Gelenken sind sowohl bei jungen, aber vor allem auch bei älteren Hunden und Katzen weit verbreitet.
Lange vorbei ist die Zeit, in der der Spruch „Das ist halt ein alter Hund, deshalb lahmt er“ Gültigkeit hatte. Auch wenn selbst mit den heutigen Mitteln der Diagnostik und den zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden nicht der letzte Patient von seinen Schmerzen an Gelenken befreit werden kann, so ist doch in den allermeisten Fällen eine Heilung, oder zumindest eine Kontrolle der Schmerzen möglich.
Ursachen von Arthrosen: Arthrosen werden von ganz unterschiedlichen Faktoren ausgelöst oder verursacht. Häufig ist es auch eine Kombination verschiedener Einflüsse, die letztlich zur Entstehung der Arthrose beiträgt. Hierzu gehören altersbedingte Verschleißerscheinungen, Verletzungen, Infektionen, Fehlstellungen des Skeletts, Fehlbelastung durch falsches oder übertriebenes Training, Übergewicht und Entwicklungsstörungen in der Wachstumsphase der Tiere.
Gelenkserkrankungen beim älteren Patienten sind von der Ursache her mannigfaltig. Die Folge ist fast immer eine Osteoarthritis, welche von der Arthrose zu unterscheiden ist.
Ausgehend von den Ursachen unterscheidet man bei den Arthrosen in zwei Formen:
- Primäre Formen: direkten Arthrosen, welche als Abnutzungsschäden als Folge von Überbeanspruchung, zum Beispiel durch Sport oder Übergewicht entstehen und die indirekten, welche Folgen von verminderter Beanspruchbarkeit der Gelenkknorpel durch Alterungsprozesse sind.
- Sekundäre Arthrosen entstehen bei angeborenen (nicht gleichbedeutend mit erblichen) dysplastischen Gelenken als Folgen der Fehlbelastung wie zum Beispiel bei der HD, Osteochondrose, und Wachstumsstörungen der Knochen, wie der kurzen Elle oder dem arthrotischen Hüftkopf. Erworbene Gelenkdeformationen entstehen durch entzündliche Gelenksleiden und rheumaähnliche Zustände.
Allen gleich sind die darauf folgenden pathophysiologischen Umbauvorgänge in den Gelenken mit Erosion des Gelenkknorpels, Verdichtung des Knochens unter dem Gelenkknorpel, knöchernen Wucherungen um das Gelenk und Umbauvorgängen der Gelenkkapseln. Die abgeriebenen Gelenkbestandteile können Irritationen hervorrufen, die Schmerzen verursachen. Jedoch befinden sich die Gelenke häufig in einem labilen Gleichgewicht der Schmerzfreiheit. Eine zusätzliche Irritation des Gelenkes kann zu einer aktiven Osteoarthritis führen, die mit Entzündung, Schmerzen und Lahmheit einhergeht. Die Entzündung gilt es dann zu behandeln, wenn möglich durch Abstellen der irritierenden Ursache. Ist dieses nicht möglich, so muss durch Medikamente die Entzündung zurückgedrängt werden.
Symptome Einige Symptome einer Arthrose entwickeln sich ganz allmählich, so dass viele Tierhalter glauben, ihr Schützling verhalte sich nur deshalb anders, weil er älter wird. Häufig fällt die Krankheit erst auf, wenn das Tier unter einem akuten Entzündungsschub leidet. Insbesondere bei Katzen ist es darüber hinaus sehr schwierig, überhaupt Hinweise darauf zu finden, dass sie Gelenkprobleme haben. Denn Katzen versuchen im Allgemeinen zu verbergen, dass sie Schmerzen haben. So zeigen Katzen - im Gegensatz zu Hunden - meist keine auffälligen Symptome. Sie lahmen zum Beispiel nur sehr selten. Und selbst wenn eine Katze Bewegungsstörungen zeigt, bleiben diese häufig unbemerkt. Denn anders als ein Hund, der von seinem Halter spazieren geführt und dabei beobachtet wird, bewegt sich die Katze meist unabhängig und auch unbeobachtet von ihrem Menschen. Die Besitzer von Hunden hingegen beobachten oft, dass ihr Hund nach dem Liegen schwer hoch kommt, die ersten Schritte oder auch länger lahmt oder an bestimmten Gelenken schmerzhaft ist.
Die Ursache einer Lahmheit ist nicht immer leicht zu finden. Das wichtigste Hilfsmittel des Tierarztes ist die klinische Untersuchung, jedoch sind häufig weiterführende Hilfsmittel, wie das Röntgen, die Gelenkspiegelung (Arthroskopie), Gewinnung von Gelenkflüssigkeit durch Punktion der Gelenke oder die Computertomographie nötig, um die Diagnose stellen zu können.
Eine der häufigsten Gelenkserkrankungen im Alter ist die Hüftgelenksarthrose des Hundes. Hierbei handelt es sich um eine sekundäre Arthrose, die durch eine Lockerheit des Hüftgelenkes entsteht. Durch die folgenden Fehlbelastungen der Gelenkflächen kommt es wie oben beschrieben zur Arthrose, die primär nicht schmerzhaft sein muss. Gesellt sich jedoch eine Entzündung des Gelenkes hinzu, entsteht die häufig hochgradig schmerzhafte Osteoarthritis.Die Abstellung der Ursache dieser Schmerzen kann durch Entfernung der Hüftgelenke erfolgen, hierbei laufen die Patienten dann auf einer Art Marionettengelenk. Oder durch den Ersatz des Hüftgelenkes durch ein künstliches Hüftgelenk, was auch in der Tiermedizin mittlerweile standardmäßig durchgeführt wird.
Kreuzbandrisse des Kniegelenks sind ebenfalls sehr häufig Anlass für Osteoarthritis und Lahmheit. Während der Kreuzbandriss des Menschen meist Folge eines Sportunfalls ist, ist der Kreuzbandriss des Hundes Folge einer in Ursache nicht bekannten fortschreitenden Schwächung des Bandes, welches dann häufig ohne erkennbare Ursache reißt. Die Instabilität im Kniegelenk führt zur sekundären Arthrose mit schmerzhafter Osteoarthritis. Zur Unterbrechung des Teufelskreises ist eine Stabilisierung des Kniegelenkes, zum Beispiel durch Ersatz des Kreuzbandes oder Umstellung der Kniegelenksbiomechanik durch eine andere aufwändigere Operation (TPLO = tibia plateau leveling osteotomy) nötig. Eine Heilung und gute Funktionalität des Gelenkes nach einer Operation ist in den allermeisten Fällen zu erwarten.
Weitere häufige Ursachen für eine Osteoarthritis sind die Überbelastung der Bicepssehne (v.a. bei Sport- und Jagdhunden).
Bei kurzbeinigen Hunden ist nicht selten die Elle des Unterarmes im Verhältnis zur Speiche zu kurz („Short Ulna“). Dieses Missverhältnis führt zu einer Fehlstellung der Gelenkflächen im Ellenbogengelenk, welches im Verlauf des Lebens zu einer Osteoarthritis führen kann.
Gelenksentzündungen wie das Rheuma oder die Polyarthritis sind bei Tieren relativ selten. Diese Erkrankungen sind in den Formenkreis der erworbenen sekundären Arthrosen einzuordnen. Hier liegt der Osteoarthritis keine mechanische Ursache zu Grunde, sondern durch Ablagerungen und Eindringen von Entzündungsstoffen in das Gelenk von außerhalb des Gelenkes wird die Entzündung in das Gelenk hineingetragen. Dabei entstehen nur bei der rheumatoiden Gelenkserkrankung die in Röntgenbildern zu sehenden Veränderungen. Andere Formen der Polyarthritis zeigen „normale“ Gelenke auf den Röntgenbildern. Für die Diagnose ist eine Punktion der Gelenke notwendig. Leider gibt es viele Ursachen für Polyarthritiden, sowohl Krankheitserreger als auch eine Art Allergie können Ursache hierfür sein. Daher ist es unumgänglich, die Ursache zu finden, da jede Erkrankung gezielt behandelt werden muss und manche Medikamente bei bestimmten Ursachen die Heilung sogar behindern können.
Ursachen für Arthrose und Osteoarthritis gibt es noch unzählige mehr. Wie schon anfangs erwähnt, ist die Arthrose normalerweise Folge einer Störung der normalen Gelenksfunktion. Die Osteoarthritis ist die schmerzhafte Folge der Arthrose. In jedem Fall gilt es, die Ursache der Gelenksschmerzen und Veränderungen zu finden, um so wenn möglich das Übel bei der Wurzel zu packen. Sicherlich ist dieser Weg manchmal beschwerlicher und aufwändiger, wird jedoch meist mit langandauerndem Erfolg belohnt.
Schäden am Gelenkknorpel können nicht mehr “repariert” werden. Arthrosen sind also unheilbar. Bei der Behandlung von Arthrosen geht es darum, die Lebensqualität des Tieres zu verbessern und auf einem hohen Niveau zu halten. Hierzu verfolgt man hauptsächlich folgende drei Therapieziele: 1. Linderung der Gelenkschmerzen 2. Erhalt der Gelenkfunktion und der Beweglichkeit 3. Abbremsen oder, wenn möglich, Stoppen des Verschlimmerungsprozesses In den meisten Fällen können Arthrosen mit konservativen Methoden gut behandelt werden. Hierzu zählt man eine Vielzahl verschiedener Therapien. Die größte Bedeutung hat bis heute die medikamentöse Behandlung mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern z. T. auf Kortisonbasis. Als unterstützende Maßnahmen sind eine Gewichtsreduktion, kontrollierte Bewegung und Muskeltraining sowie physiotherapeutische Anwendungen sehr zu empfehlen. Verschiedene Formen der Strahlentherapie sowie die örtliche Betäubung des Gelenkes können helfen, Schmerzen zu lindern. Sogenannte Knorpelschutzstoffe (DMOAD) sollen dazu beitragen, das Knorpelgewebe zu erhalten. Auch Nahrungsergänzungsmittel und Maßnahmen aus der Alternativ- oder Komplementärmedizin wie Akupunktur, Goldimplantation, Lasertherapie, Magnetfeldtherapie, Stoßwellen oder Homöopathie kommen regelmäßig zur Anwendung. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass für viele der alternativen Methoden bis heute der wissenschaftliche Nachweis ihrer Wirksamkeit nicht erbracht werden konnte. Letztendlich muss für jedes Tier die am besten wirksame Kombination (multimodale Therapie) zum Teil durch Ausprobieren individuell herausgefunden werden. In einigen Fällen kann eine Operation in Kombination mit einer konservativen Behandlung für den Therapieerfolg nötig sein. Bei starken Behinderungen durch eine Arthrose ist eventuell ein Ersatz des Gelenks durch eine Prothese sinnvoll. Doch während der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks beim Hund in der Tiermedizin schon fast chirurgischer Alltag ist, gibt es für die meisten anderen Gelenke und für die Katze heute noch keinen Ersatz.
Im Mittelpunkt der Arthrosetherapie steht die Schmerzbehandlung. Die Linderung der Schmerzen ist ein Gebot des Tierschutzes , hebt die Lebensqualität des Tieres und ist die Voraussetzung für jede Bewegungstherapie. Die Bewegung wiederum ist die Voraussetzung für die Erhaltung der Beweglichkeit des Gelenks und die Bildung von Gelenkschmiere zum Schutz des verbliebenen Gelenkknorpels. Für die Schmerztherapie stehen bewährte Arzneimittel für Hunde und Katzen zur Verfügung, die gleichzeitig Entzündungen hemmen. Diese Schmerzmittel werden von den meisten Hunden und Katzen gut vertragen. Insbesondere als Folge der Langzeittherapie können jedoch Nebenwirkungen wie Erbrechen und/oder Durchfall auftreten. Beim Auftreten von Nebenwirkungen muss intensiv nach beim Patienten wirksamen zusätzlichen Behandlungsmöglichkeiten gesucht werden, damit die Medikamente abgesetzt oder zumindest deren Dosis auf ein verträgliches Maß herabgesetzt werden kann. Bei Patienten mit Nierenschäden muss das verwendete Medikament vom Tierarzt sorgfältig ausgewählt und die Therapie genau überwacht werden. In jedem Fall dürfen nur Schmerzmittel verwendet werden, die der Tierarzt oder die Tierärztin verschreibt! Schmerzmittel für Menschen aus dem Arzneimittelschränkchen können für Hunde und Katzen tödlich sein.
Um Ihren Tier das Leben zu erleichtern, gibt es spezielle Futtermittel, die, zusätzlich zu Medikamenten, die Gelenkfunktion unterstützen können. Bei übergewichtigen Tieren kann allein die Gewichtsreduktion bereits zu einer deutlichen Besserung der Symptome führen. Entscheidend ist, dass die Gewichtsabnahme unter tierärztlicher Aufsicht erfolgt, weil es sonst zu einem Mangel an Proteinen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen kommen kann. Bei Katzen ist bei allzu schnellem Gewichtsverlust im schlimmsten Falle sogar eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung, die hepatische Lipidose, möglich. Weiterhin können bestimmte Inhaltsstoffe in der Nahrung hilfreich sein: Eisokapentaensäure, eine Omega-3-Fettsäure, hat entzündungshemmende Eigenschaften und soll die weiter Zerstörung des Knorpels stoppen. Auch Glukosaminolglykane, Chondroitinsulfat und Extrakte der Grünlippmuschel können den Knorpel schützen und dem Abbau des Gewebes entgegenwirken. Dies sind jedoch nur einige Beispiele von Stoffen, die die Arthrose-Therapie unterstützen können. Außerordentlich wichtig ist, dass Nahrungsergänzungsmittel immer nur in Absprache mit dem Tierarzt gegeben werden. Denn viel hilft nicht viel! So kann der übermäßige Zusatz von Omega-3-Fettsäuren zu einzelnen Mahlzeiten einen sorgfältig kalkulierten Diätplan durcheinanderbringen und damit das wichtige Ziel für die Erthrose-Patienten, nämlich die Gewichtsabnahme, verhindern.
Bewegung unterstützt nicht nur die Gewichtsabnahme, sie hilft auch, die Beweglichkeit des Gelenks zu erhalten. Denn sie fördert den Muskelaufbau und regt die Bildung von Gelenkschmiere an. Prinzipiell ist alles erlaubt, was dem Tier Spaß macht, ihm keine Schmerzen verursacht und es nicht überfordert. Ideal sind alle Trainingsformen, bei denen das Gelenk mit möglichst wenig Körpergewicht belastet wird, wie Schwimmen und das Laufen auf einem Unterwasserlaufband. Die Physiotherapie hat jedoch noch weit mehr zu bieten als nur kontrolliertes Training. Mithilfe von Massagen, Kälte- oder Wärmeanwendungen sowie Elektro- und/oder Ultraschalltherapie können Verspannungen gelöst und Schmerzen gelindert werden.
Sollten Sie noch Fragen haben, so wenden Sie sich bitte an uns.
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