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Dr. med. vet. Eberhard Hönicke

Das Cushing-Syndrom

Hyperkortisolismus

Das Cushing-Syndrom ist ein Krankheitsbild, welches durch eine lang anhaltende Überproduktion von Cortisol verursacht wird. Cortisol ist ein körpereigenes Hormon und wird in den Nebennieren, zwei winzig kleinen Organen, die jeweils beidseitig der Nieren liegen, gebildet. Es ist für eine Vielzahl von Funktionen im Organismus verantwortlich: es wirkt entzündungshemmend und antiallergisch, es beeinflusst den Wasser- und Elektrolythaushalt sowie den Fett-Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel.
Kortisol erhöht z. B. über einen vermehrten Abbau von eiweißhaltigen Geweben (z. B. Muskeln) den Blutzuckerspiegel.
Die unterschiedlichen Symptome des Cushingsyndroms erklären sich daher aus den vielfältigen Wirkungen dieses Hormons.

Wie kommt es zu einer Überproduktion?
1. Wichtig für die Ausschüttung des Cortisols aus den Nebennierenrinden ist ein Botenstoff (ACTH), den die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) an die Nebennieren sendet. Dieser Botenstoff gibt den Nebennieren den Befehl, Cortisol zu produzieren. Wird übermäßig viel dieses Botenstoffes ACTH entsendet, so wird folglich auch übermäßig viel Cortisol in den Nebennieren produziert und in den Körper entlassen. Die Ursache einer übermäßigen Botenstoffausschüttung aus der Hirnanhangdrüse wiederum ist ein gutartiger Tumor dieser Drüse. 85% der Cushing-Fälle werden durch solche Tumore in der Hirnanhangdrüse hervorgerufen.
2. In den anderen 15% der Fälle sind die Nebennieren selbst für ein Cushing-Syndrom verantwortlich. In diesen Fällen wird durch einen Tumor in diesen Organen übermäßig viel Cortisol produziert und ausgeschüttet.
3. Neben diesen vom Körper selbst hervorgerufenen Formen kann ein Cushing-Syndrom auch von außen her, durch eine medikamentöse Hormontherapie mit Kortisonpräparaten, die bei vielen Erkrankungen als unverzichtbare Medikamente angewendet werden, hervorgerufen werden. Die Tiere reagieren sehr unterschiedlich auf medikamentell zugeführtes Cortisol. Während einige die Verabreichung über Jahre tolerieren, zeigen andere schon nach geringen Gaben Nebenwirkungen.

Was sind typische Anzeichen?
Die Folgen der übermäßigen Cortisolausschüttung sind sehr vielseitig.
Dem Besitzer fallen meist zuerst der verstärkte Durst und die große Fresslust sowie der gesteigerte Urinansatz auf. Viele Hunde nehmen an Gewicht zu und können einen Hängebauch entwickeln. Sie werden schlapper und hecheln vermehrt. Seltenere Fälle zeigen Verhaltensstörungen, auch Sehstörungen oder Krämpfe. Bei weiblichen Hunden kann die Läufigkeit ausbleiben.
Auch die Haut zeigt infolge der erhöhten Cortisolausschüttung vielfältige Veränderungen: sie wird dünner und die Blutgefäße darin werden sichtbar. Sie kann sich auch dunkler verfärben und stellenweise durch Kalkeinlagerungen verhärten.
Typisch sind auch eitrige Infektionen der Haut mit Rötungen, Pustelbildung und Juckreiz. Auch Infektionen durch Pilze und Demodex-Milben setzen sich jetzt gerne fest.
Der Besitzer beobachtet, dass das Fell schütterer wird, es entstehen lichte Flecken und manchmal können die Haare am Rumpf auch komplett ausfallen.
Obwohl auch größere Rassen an einem Cushing-Syndrom erkranken, sind kleinere Rassen wie Pudel, Dackel und Terrier bevorzugt betroffen. Die Erkrankung tritt auch eher im mittleren bis höheren Alter auf.

Wie wird das Cushing-Syndrom diagnostiziert?
Zuerst stellt der Tierarzt durch den Vorbericht des Besitzers und klinische Veränderungen an Körper, Haut und Haaren seine Verdachtsdiagnose. Veränderungen im Blutbild und des Urins können nun seinen Verdacht erhärten.
Für die letztendliche Diagnose wendet er aber spezielle Funktionstest der Nebennierenrinde an, und manchmal können auch weitergehende Untersuchungen durch Röntgen, Ultraschall oder CT notwendig werden.

Wie wird das Cushing-Syndrom behandelt?
Grundsätzlich richtet sich die Therapie nach der Art der Ursache: Liegt diese in einem Tumor der Hirnanhangdrüse (85% der Fälle), so liegt natürlich die chirurgische Entfernung dieser Drüse nahe. Da dieser Tumore aber winzig klein und nur sehr schwer zugänglich sind, ist diese Operation äußerst schwierig und bleibt nur sehr wenigen Spezialisten vorbehalten. Deswegen stellt die häufigste Therapie die medikamentöse Behandlung da. Diese Medikamente unterdrücken die Cortisolausscheidung aus den Nebennieren. Diese Therapie ändert aber nichts daran, dass der Tumor der Hirnanhangdrüse bestehen bleibt und weiterhin seine Botenstoffe aussendet. Allerdings kann diese “Befehl” zur Produktion von Cortisol nichts mehr bewirken. Je nach medikamentöser Therapie werden entweder die hormonproduzierenden Zellen der Nebenniere zerstört oder ihre Produktion durch Enzymeinfluss gehemmt.
Die Behandlungen können dem Hund ein beschwerdefreies Leben ermöglichen, aber sie sind nicht ohne Risiko und die Therapie muss lebenslang durch einen Tierarzt überwacht werden.
Handelt es sich aber um eine übermäßige Cortisolproduktion durch einen Tumor in der Nebenniere, so ist die Prognose sehr viel ungünstiger. Eine chirurgische Entfernung kann hier am ehesten zum Erfolg führen.
Bei einem durch Medikamente provozierten Cushing-Syndrom dürfen diese auf keinen Fall abrupt angesetzt werden. Infolge der ständigen äußerlichen Zufuhr von Cortisol hat der Körper inzwischen seine eigene Produktion eingestellt und erst durch das schrittweise Absetzen des Medikaments wird die Eigenproduktion langsam wieder aufgenommen.

Grundsätzlich gilt es, einen Hund mit Cushing-Syndrom rechtzeitig einer Therapie zu unterziehen, da die Auswirkungen von überhöhtem Cortisol auf den Gesamtorganismus gravierend und lebensbedrohlich sind.

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