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Tierärztliche Praxis für Kleintiere

Dr. med. vet. Annerose Hönicke

Tierärztliche Praxis für Großtiere

Dr. med. vet. Eberhard Hönicke

Ernährung

Igel sind weder Raubtiere noch Vegetarier, sondern Insektenfresser. Sie sind also weder zur Mäusebekämpfung in Häusern geeignet, noch können sie mit Gemüseabfällen ernährt werden.

Igel sind Nachttiere und nehmen ihre Nahrung zumeist erst bei Einbruch der Dämmerung zu sich. Nur kleine und stark abgemagerte Tiere müssen auch tagsüber etwas Nahrung erhalten.

Die Hauptnahrung muss immer auf Fleisch basieren. Sie kann täglich oder für wenige Tage im Vorrat zubereitet werden. Als Ballaststoff und Mineralienzusatz sollte etwas zermahlener Garnelenschrot oder Muschelgrit beigefügt werden.

Als Mischungsverhältnis für mehrere Tage hat sich bewährt: Etwa eine Handvoll Hundeflocken, 500g gehacktes Rindfleisch, 1 EL Futterkalk, etwas Leinöl oder frischer Lebertran, all dies mit Wasser angefeuchtet und durchmischt, um ein Austrocknen zu vermeiden. Diese Mischung kann als portionierter Vorrat im Kühlschrank einige wenige Tage aufbewahrt werden, muss jedoch einen halben Tag vor der Verfütterung aufgetaut werden und Zimmertemperatur haben.

Eine weitere bewährte Nahrung ist auch Dosenfutter für Hunde und Katzen (mit Rind- oder Fischzusatz), dem man nach belieben frisches Rind- oder Pferdehackfleisch beimischt. Ist das Dosenfutter von trockener Konsistenz, sollte man es mit etwas warmen Wasser anfeuchten.

Als Abwechslung – jedoch keinesfalls ausschließlich – kann auch gereicht werden: Hühnerklein (unzerkleinerte Flügel, Hälse und Keulen – gut gegen Zahnstein!) etwas Quark, hart gekochte Eier (niemals roh), Insekten, Gliedertiere (Asseln, Tausendfüßler etc.) einige wenige Mehlwürmer (zu reichliche oder gar ausschließliche Ernährung mit Mehlwürmern ist zwar für den Pfleger bequem, aber für den Igel lebensbedrohlich), ein Stückchen Banane, ungeschwefelte Rosinen (Reformhaus), Hühnerherz (Hühnerleber oder –magen ergibt häufig Durchfall) und aufgetauter, grätenfreier Tiefkühlfisch.

Ganz ausgezeichnet hat sich als bekömmlicher Futterzusatz das CLAUS-Weichfutter (mit Ameiseneiern und Insekten) bewährt.

Achtung: Das in Zoohandlungen erhältliche „Igelfutter“ ist nur als Zusatz- und keinesfalls als Haupt- und Aufzuchtsfutter brauchbar.

Zusätzliche Vitamingaben sollten (in der angegebenen Dosis) verabreicht werden:

  • Vitamin D: 2x wöchentlich 1Tropfen Vitamin D (OLEOVIT D³)
  • Vitamin B: 2x wöchentlich ½ Tablette BENEURAN COMP. (Leopold), oder täglich drei Tropfen BEKOZYM-Tropfen (Hofmann-La Roche)
  • Vitamin C: 1x wöchentlich 10 Tropfen Ascorbin Vitamin C Sirup (Montavit)

Besonders bei Jungtieren sind tägliche Beigaben von einer Messerspitze vitaminisiertem Futterkalk (z.B. VITOSSAN, OSSPULVIT, WELPI-SAL oder TOTALIN v. Stricker) nötig. Die in Apotheken erhältliche Schlemmkreide (=Calciumcarbonat, also ohne Phosphatzusatz) ist bei Durchfall oder bei Pipettenfütterung zu verwenden.

 

Futtermenge: Täglich ein bis maximal zwei gehäufte Esslöffel (abends) genügt für einen heranwachsenden Igel. Lassen Sie sich nicht von seinem offensichtlich noch viel größeren Appetit dazu verleiten, „Ihren“ Igel zu mästen und damit einer lebensgefährlichen Verfettung auszuliefern. Sie tun ihm damit nichts Gutes! Richten Sie die Futtermenge so ein, dass Ihr noch nicht ausgewachsener Igel maximal 50g pro Woche zunimmt. Hat der Igel sein natürliches Gewicht von ungefähr 800g-1000g  (für Igel aus Höhenlagen ist allerdings 1200-1400g nichts ungewöhnliches) erreicht, muss eine weitere Gewichtszunahme vermieden werden. Um ihn auf einen erreichtem Idealgewicht zu halten, ist eine wöchentliche Gewichtskontrolle notwendig.

Ein nicht überfütterter und daher schlanker, aktiver Igel ist zumeist viel gesünder und widerstandsfähiger als ein durch übertriebene und unverständige Tierliebe gemästeter und fauler.

Untaugliche Nahrungsmittel

Das Füttern mit Regenwürmern und Schnecken während der Pflege im Haus ist unbedingt zu unterlassen. Einzelne Igel entwickeln in Menschenobhut mitunter einen recht unterschiedlichen, indessen ihnen nicht immer bekömmlichen Geschmack. Bitte vergessen Sie nie, dass für ein Wildtier nicht alles gut ist, was uns Menschen schmeckt. Bieten Sie daher „Ihrem“ Igel niemals menschliche Speisereste, Kuchen, Schokolade und keinesfalls Milch an. Bei geringsten Verdauungsstörungen kann Milch sehr gefährlich sein. Die altmodische Ansicht, dass Milch das Standartfutter für Igel sei, ist falsch und ebenso überholt wie die irrige Meinung, dass Tier am besten wissen, was ihnen gut tut.

Nichts Gesalzenes, nichts Gewürztes, Nichts Gezuckertes, immer frisches Wasser!

Gesundheitsparameter für Igel sind die Beschaffenheit des Kotes, der stets plastisch bis fest und geformt sein soll (Würstchen) und das Gewicht, das während der Pflegezeit laufend kontrolliert werden muss.

Eine lebensgefährliche Verfettung der Igel ist an ihren „Pumphosen“ an den Hinterbeinen zu erkennen.

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