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Harnwegserkrankungen bei der Katze
Allgemein bezeichnet man Erkrankungen der unteren Harnwege bei der Katze als „Feline lower urinary tract diseases“ kurz „FLUTD“. Darunter fallen alle Erkrankungen der Harnwege, unabhängig von der Ursache. Die Ursachen einer FLUTD können sehr vielfältig sein. Es sind Entzündungen durch Viren oder Bakterien, neurologische Störungen, anatomische Besonderheiten, gut- oder bösartige Zubildungen, Bildung von Blasensteinen oder –kristallen oder auch „seelischer“ Stress.
Die Symptome der FLUTD sind häufiges Aufsuchen des Katzenklos, unkontrolliertes Verlieren von Urin, Schmerzäußerungen beim Harnabsatz, blutiger Urin und reduziertes Allgemeinbefinden.
In verschiedenen Studien wurden unterschiedliche Faktoren als Risikofaktoren für das Auftreten einer FLUTD untersucht. Insbesondere Umweltveränderungen und Interaktionen mit anderen Katzen sind immer wieder als erhöhtes Risiko erkannt worden. Das Alter spielt insofern eine Rolle, als Katzen unter einem Jahr und über zehn Jahren selten betroffen sind – ein gehäuftes Auftreten wird bei Katzen zwischen zwei und sechs Jahren gesehen. Krankheitsverläufe ohne Verstopfung der Harnröhre werden gleich häufig bei männlichen und weiblichen Tieren gesehen, das Risiko scheint aber für kastrierte Tiere höher zu sein. Je nach Untersuchung wurden folgende Risikofaktoren gefunden: Wohnungskatze, erhöhtes Körpergewicht, Fütterung von Trockenfutter, verminderte Wasseraufnahme, Mehrfachkatzenhaushalt und Langhaarkatze.
Bakterielle Harnwegsinfektionen sind bei jungen Katzen selten, sie betreffen eher alte Tiere. Oft gehen sie einher mit einer anderen Erkrankung wie Nierenunterfunktion oder Virusinfekten.
Die Bildung von Blasenkristallen ist vor allem dann gefährlich, wenn sie die Harnröhre verstopfen. Hiervon sind durch die Form ihrer Harnröhre hauptsächlich Kater betroffen. Eine Mischung aus Zellresten und Kristallen setzen sich in der Engstelle der Harnröhre fest und machen einen Urinabsatz, wenn überhaupt möglich, nur unter großen Schmerzen möglich. In diesen Fällen wird der Pfropfen unter Narkose vorsichtig entfernt und ein Katheter in die Harnröhre geschoben, um einen problemlosen Urinabsatz zu gewährleisten. Danach werden die Tiere über mehrere Tage regelmäßig über einen venösen Zugang mit ausreichend Flüssigkeit versorgt, um den Urin mit möglichen Restkristallen aus der Blase zu spülen. In der Folge ist es wichtig, dass die im Pfropfen gefundenen Kristalle in der Blase aufgelöst werden. Hier für gibt es Spezialfuttermittel. Außerdem ist eine regelmäßige Urinuntersuchung anzuraten, damit ein neuerliches Auftreten von Kristallen erkannt wird bevor die Harnröhre wieder verlegt ist!
Die „seelisch“ bedingte FLUTD tritt am häufigsten auf. Sie wird auch idiopathische FLUTD genannt. Ihre genaue Ursache ist bis heute nicht bekannt. Man vermutet, dass betroffene Katzen Stress nicht ausreichend verarbeiten können. Außerdem ist bei betroffenen Tieren die Schutzschicht der Blase angegriffen. Das hat eine Ausschüttung von Entzündungsprodukten und Blutungen zur Folge. Wahrscheinlich ist diese Erkrankung angeboren. Man beobachtet aber oft ein Zusammentreffen von idiopathischer FLUTD und Übergewicht oder Herzerkrankungen.
Bei der idiopathischen FLUTD ist die wichtigste Therapie die Langzeittherapie um einen Rückfall zu vermeiden und die Symptome abzuschwächen. Folgende Maßnahmen kommen infrage:
- Veränderung der Umwelteinflüsse (Freilauf, Aktivitätserhöhung, Beschäftigung,
Konkurrenzverhalten vermeiden etc.)
- Diätetische Maßnahmen (u. a. auch zur Erhöhung der Harnmenge)
- Medikamente
Veränderung der Umwelteinflüsse
Die ersten und mitunter wichtigsten Maßnahmen sind, die Umwelt interessanter, vielgestaltiger und vor allem für die individuelle Katze tolerierbar einzurichten. Katzentoilette, Katzenstreu, Futterschale, Wassertyp und viele weitere Gegenstände des typischen Katzenlebens sollten so gewählt werden, dass sich die Katze wohl fühlt. Es werden zum Beispiel verschiedene Arten von Einstreu „vorgeschlagen“ und dann konsequent die Streu weiter verwendet, die von der Katze „ausgewählt“ wird. Dieses „Selbstauswählenlassen“ der Katze wird für alle typischen Katzenobjekte durchgespielt: Katzentoilette (mit oder ohne Dach), Einstreutyp (Geruch, klumpend, etc.), Wasser (aus der Flasche, vom Wasserhahn, aus Wasserspender), Futternapf (Porzellan, Metall, Plastik) und weitere Gegenstände.
Katzentoilette und Wassernapf müssen so platziert sein, dass die Katze sich dort ungestört aufhalten kann (kein Durchgangsverkehr, keine Kinder). Plötzlich auftretende Geräusche (Ventilator, Trockner, etc.) können das Tier erschrecken. Zudem darf die Katze in einem Mehrkatzenhaushalt nicht von anderen Katzen übermäßig gestört werden. An Engstellen sollte darauf geachtet werden, dass hier keine angenehme Sitzmöglichkeit besteht, damit dominantere Tiere hier nicht eine Wärterfunktion für die anderen Katzen annehmen können.
Katzen sind sehr reinliche Tiere und somit sind Katzentoilette, Futter- und Wassernäpfe stets sauber zu halten. Insbesondere der Ammoniakgeruch in einer Katzentoilette mit Haube kann dazu führen, dass die Katze weniger oft Urin absetzt und damit eine Harnanstauung entstehen kann. Falls Katzen außerhalb der Katzentoilette Urin abgesetzt haben, muss dieser Platz gründlich gereinigt werden, damit nicht dieselbe oder andere Katzen davon angezogen werden und dort erneut Urin lassen.
Bei Mehrkatzenhaushalten ist darauf zu achten, dass alle Tiere die gleichen Chancen haben, einen „guten“ Liegeplatz, Essplatz, Katzentoilette etc. zu haben. Es muss unbedingt nach der Regel „n+1“ verfahren werden, das heißt im Haushalt müssen von jedem zum täglichen Leben notwendigen Gegenständen (Katzentoilette, Schlafplatz, Wasserschale etc.) einer mehr vorhanden sein als Katzen. Besonders bei den Ruheplätzen ist darauf zu achten, dass alle Katzen gleichzeitig einen „qualitativ hochwertigen“ Liegeplatz aufsuchen können – Fensterplätze oder Sessel müssen ausreichen vorhanden sein.
Wichtig ist, dass die Besitzer sich täglich mehrmals mit der Katze beschäftigen. Dies kann mit typischen Spielsachen sein (Ball etc.) oder auch mit Futter. Auch hier ist auf die Präferenzen der Katze zu achten, ein Teil bevorzugt „federartige“ Spielsachen(Stock mit Feder), andere eher „fellartige“ Spielsachen (Spielmaus). Spielen mit einem Laserpointer wird nicht empfohlen, da die Katze nie einen Erfolg verbuchen kann. Zudem ist es selbstverständlich, dass Katzen die Möglichkeit haben müssen, sich die Krallen zu wetzen, zu klettern, sich zu verstecken und ungestört zu schlafen.
Im Großen und Ganzen sind Katzen Gewohnheitstiere. Änderungen der Routine (Futterplatz, Fütterungszeiten etc.) sind Anlass für Stress und sollten so langsam wie möglich erfolgen.
“Blasenkatzen” sollten dazu angeregt werden, möglichst viel zu trinken um das Harnvolumen zu erhöhen. Dadurch setzt die Katze häufiger Urin ab und der Zeitraum, in dem sich Harn in der Harnblase ansammelt, verkürzt sich. Dies erschwert die Bildung von Blasenkristallen oder -steinen. Dabei helfen folgende Vorschläge: - Füttern Sie diätetische Feuchtnahrung statt Trockenfutter - Fügen Sie der Nahrung Wasser zu (sowohl bei Feucht- als auch bei Trockenfutter), beginnen Sie mit kleinsten Mengen und steigern Sie langsam bis zu der Menge, die Ihre Katze gerade noch akzeptiert - Teilen Sie die Tagesration auf 3-5 kleine Mahlzeiten auf - Stellen Sie Wasser an möglichst vielen verschiedenen Stellen in der Wohnung auf - Viele Katzen bevorzugen abgestandenes Wasser, wechseln Sie deshalb nicht alle Näpfe jeden Tag (eine dekorative Variante sind Zimmerteiche oder Glasschalen mit Wasserpflanzen) - Viele Katzen bevorzugen große, flache Trinkgefäße, die bis zum Rand gefüllt sind, damit die Schnurrhaare nicht an den Rand stoßen. Probieren Sie verschiedene Materialien! - Versuchen Sie Trinkbrunnen anzubieten oder füllen Sie Wasser ins Waschbecken, Wanne oder Dusche. - Stellen Sie Eiswürfel mit Geschmack her: Kochen Sie eine kleine Menge Diätfutter mit etwas Wasser für etwa 10min auf. Die Menge geben Sie dann durch ein Sieb und fangen die Flüssigkeit auf. Diese geben Sie in einem Eiswürfelbehälter in das Gefrierfach. Legen Sie einen Eiswürfel ins Trinkwasser Ihrer Katze, um so dem Wasser Geschmack zu geben
Diätetische Maßnahmen
Bei allen Katzen mit idiopathischer FLUTD ist es ratsam, Feuchtnahrung zu füttern. Bei Katzen, die Feuchtnahrung bekamen, lag die Rezidivrate einer idiopathischen FLUTD innerhalb eines Jahres bei 11%, während bei mit handelsüblicher Trockennahrung gefütterten Katzen in derselben Periode eine Rezidivrate von 39% festgestellt wurde. Zusätzlich kann noch Wasser zum Futter gegeben werden, um die Konzentration von Zellresten und Kristallen im Urin so niedrig wie möglich zu halten. Falls eine Katze nur Trockenfutter frisst, kann versucht werden, über eine längere Zeit auch diesem Futter mehr Flüssigkeit zuzugeben oder eine spezialdiät zu wählen. Wie schon erwähnt sollte eine Katze bei einem Futterwechsel in die Entscheidung einbezogen werden (beide Futter gleichzeitig anbieten. Es kann auch versucht werden, der Katze schmackhaftes Wasser (z.B. verdünnte Katzenmilch, Fleischbrühe) anzubieten. Viele Katzen trinken auch gerne aus Zimmerbrunnen oder dem Wasserhahn.
Medikamente, die zur Stressminderung beitragen
Pheromone sind Fettsäuren, die spezifische Informationen zwischen Tieren derselben Spezies übermitteln. „Feliway“, ein Gesichtspheromon, das zur Behandlung von Verhaltensproblemen bei Katzen zugelassen ist, hat in mehreren Studien einen positiven Effekt bei einem Teil der Katzen mit idiopathischer FLUTD gezeigt.
Eine weitere Möglichkeit sind Antidepressiva, der Wirkstoff Amitriptylin hat in langfristigen Studien eine Minderung der Symptome bewirkt.
Bei Menschen mit Blasenerkrankungen wurde erfolgreich Glykosaminoglykane angewandt. Diese legen sich schützend über die Blasenwand und fehlen oft im Urin von Katzen mit FLUTD. Allerdings konnte die Wirkung bei Katzen noch nicht nachgewiesen werden.
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