Tierärztliche Praxis für Kleintiere

Dr. med. vet. Annerose Hönicke

Tierärztliche Praxis für Großtiere

Dr. med. vet. Eberhard Hönicke

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Erworbene Herzerkrankungen

Sie haben bei Ihrem Hund Anzeichen einer Herzerkrankung festgestellt oder sind von Ihrem Tierarzt darauf aufmerksam gemacht worden.

Einige Herzerkrankungen des Hundes können angeboren sein. Zu diesen Krankheiten zählen die Einengung unterhalb der Hauptschlagader (Subaortenstenose), die Einengung der Lungenarterie (Pulmonalstenose), ein Loch in der Herzscheidenwand (Ventrikelseptumdefekt) sowie eine nach Geburt offen bleibende Verbindung zwischen Hauptschlagader und der Lungenarterie (persistierender Ductus arteriosus botalli).

Viele Herzerkrankungen des Hundes sind erworben. Hierzu zählen besonders Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen, Perikarderguss (eine Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) sowie ein Tumor des Herzens. Wegen der besonderen Häufigkeit der Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen werden diese ausführlicher dargestellt:

Die beim alternden Hund am häufigsten vorkommende krankhafte Veränderung des Herzens ist die so genannte Herzklappenendokardiose, bei der es sich um chronische Veränderungen einer oder auch mehrerer Herzklappen handelt.
Im Herzen gibt es vier Herzklappen, die den Blutstrom in eine Richtung lenken. Eine Klappe (Pulmonalklappe) lenkt das Blut in die Lungenarterie. Die Lungenarterie leitet das Blut in die Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Eine weitere Herzklappe (Aortenklappe) öffnet in die Hauptschlagader, von der das mit Sauerstoff angereicherte Blut im ganzen Körper verteilt wird.
Zwei weitere Klappen (Atrio-Ventrikularklappen) verhindern, dass das Blut beim Pumpen der Herzkammer in den linken bzw. rechten Vorhof und die daran angeschlossene Venen zurückfließt.

Diese Klappen verändern im Laufe der Erkrankung ihre Struktur, so dass letztendlich der für den geregelten Pumpvorgang notwendige Klappenschluss nicht mehr vollständig stattfinden kann. Das ist eine sich über längere Zeit entwickelnde Erkrankung (Degenerative Valve Disease = DVD), bei der sich die Klappen schließlich verdicken und versteifen. Sie schließen dann nicht mehr dicht. Das Herz muss stärker und schneller pumpen, um genügend Blut in die richtige Richtung auszuwerfen. Meist betroffen ist die Klappe zwischen linkem Vorhof und linker Kammer, die Mitralklappe. Die Erkrankung heißt dementsprechend Mitralklappenendokardiose. Während des Pumpvorgangs strömt ein Teil des Blutes zurück in den linken Vorhof und staut zurück bis in die Lunge.

Durch verschiedene Regulationsmechanismen kann der Körper diesen Klappenfehler für kurze oder manchmal auch längere Zeit kompensieren. Erst wenn die körpereigenen Regulationsmechanismen komplett aufgebraucht sind, kommt es, je nachdem, welche Herzklappe(n) betroffen ist / sind zu Symptomen wie Atemnot und Husten oder auch zur Bauchwassersucht . Die häufig schon vorher vom Tier gezeigte Belastungsschwäche oder auch nächtliche Unruhezustände werden oftmals fälschlicherweise nur dem fortgeschrittenen Alter des Tieres zugeschrieben.

Die möglichen Ursachen für die Klappenendokardiose sind nicht genau bekannt. Diskutiert werden Störungen im Bindegewebsstoffwechsel des Klappengerüsts selber, genetische Veranlagung, Stress, Bluthochdruck, vorausgegangene bakterielle Infektionen sowie verschiedene hormonelle Störungen.

 An den Herzklappen erkranken meist kleinere Hunderassen (etwa Dackel, Pudel, Terrier) in einem mittleren und höheren Lebensalter. Wenige Rassen (Cavalier King Charles Spaniel) zeigen Klappenveränderungen bereits in jungen Jahren. Bei den Klappenerkrankungen, speziell bei der Mitralklappeninsuffizienz, beginnen die Anzeichen meist langsam und nehmen über die Zeit zu. Zu nennen ist ein trockener Husten, anfangs meist nachts, früh morgens beim Gassi-gehen oder bei Aufregung. Mit zunehmenden Schweregrad verschlimmern sich die Symptome bzw. gesellen sich weitere hinzu.

Die häufigste Herzmuskelerkrankung ist die mit Herzerweiterung einhergehende Herzmuskelschwäche (dilatative Kardiomyopathie = DCM). Es gibt zahlreiche Ursachen, die eine solche Herzmuskelschwäche verursachen können. Etwa eine Infektion mit Viren, Parasiten oder Bakterien, ein Nährstoffmangel etwa mit L-Carnitin oder Taurin, eine Vergiftung, eine unerwünschte Medikamentenwirkung etwa mit Doxorubicin, eine Minderdurchblutung oder Abbau des Herzmuskels, eine Immun- oder Stoffwechselerkrankung und schließlich hormonelle Erkrankungen wie die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Wenn eine solche Grunderkrankung die Ursache für die Herzschwäche ist, nennt man das sekundäre Kardiomyopathie. Findet sich keine Grunderkrankung und bleibt die Ursache ungeklärt, so spricht man von primärer oder idiopathischer Kardiomyopathie.

Die Erkrankung führt zu einer Schwächung des Herzmuskels. Das Herz wirft weniger Blutvolumen aus. Die linke Herzkammer erweitert sich. Sie leert sich im weiteren Verlauf nur unzureichend und es kommt zu Rückstauung des Blutes in den linken Vorhof und schließlich in die Lunge.

Von der idiopathischen dilatativen Myopathie (DCM) sind besonders große Hunderassen wie etwa Dobermann, Dogge, Boxer, Irischer Wolfshund, oft schon im mittleren Lebensabschnitt betroffen. Durch den Rückstau des Blutes in Lunge und Abdomen kommt es bei fortschreitender Erkrankung zu Wasseransammlungen in Lunge bzw. Brust- und/oder Bauchraum. Die gleichzeitig vorhandene Schwäche, das Blut in den Kreislauf zu pumpen, kann sich in Leistungsschwäche, Kollaps und Ohnmachtsanfälle äußern. Die Patienten nehmen oft rasch ab, zeigen einen schwachen und schnellen Puls. Die Erkrankung schreitet leider oft schnell voran.

Unter Umständen können Tiere, die an einer Klappen- oder Herzmuskelerkrankung leiden, für einige Zeit ohne deutliche Symptome leben. Schafft es aber das geschwächte Herz nicht mehr, genügend Blut in den Kreislauf zu pumpen, so spricht man von kongestiver Herzinsuffizienz:

  • Veränderte Atmung (erhöhte Frequenz, Atemnot)
  • Husten
  • Appetitlosigkeit
  • Bewegungsunlust
  • Tier ist auffällig ruhig
  • Ohnmachtsanfälle
  • Ruhelosigkeit (fällt vor allem nachts auf)

Diagnose

Durch die Auflagerungen auf den Herzklappen kommt es zur Verwirbelung des Blutes beim Fluss durch die Klappe. Diese Verwirbelung lässt ein meist typisches „Herzgeräusch“ entstehen. Oft ist dieses Herzgeräusch ein Zufallsbefund bei der jährlichen Grunduntersuchung und es können weitere Untersuchungen zur genauen Abklärung notwendig werden:
 

Vorbericht:

Rasse, Alter, Geschlecht und Krankengeschichte können einen Anfangsverdacht für eine bestimmte Herzerkrankung geben. Schreiben Sie sich am besten zu hause stichwortartig auf, was Ihnen bei Ihrem Hund auffällt.

Puls (Fühlen):

Den arteriellen Puls fühlt man beim Hund am besten innen am Oberschenkel (Femoralispuls). Das ist ganz leicht. Sie können das selbst gut üben, wenn der Hund steht oder auf der Seite liegt.

Achtung: ein leicht unregelmäßiger Puls ist beim Hund in Ruhe völlig normal. Er wird im Rhythmus der Atmung schneller und langsamer.

Auskultation (Hören):

Mit einem Phonendoskop hört die Tierärztin die Herztöne ab: der 1. Herzton („Buh“) entsteht durch die Herzkontraktion und den Schluss der Artrioventrikularklappen, der kurz darauf folgende 2. Herzton („Dupp“) durch den Schluss der Aorten- und der Pulmonalklappe. Dabei wird auch der Herzrythmus beurteilt. Weiterhin achtet der Untersuchende auf Herzgeräusche, die auf Herzerkrankungen hinweisen können. Dafür wird sowohl die linke als auch die rechte Brustkorbseite abgehört. Herzerkrankungen können also oftmals bei der regelmäßigen Gesundheitsuntersuchung erkannt werden!

Elektrokardiogramm (EKG):

Das EKG ist das ideale Instrumen zur Erfassung des Herzrythmus. Störungen im Bereich des Schrittmachers des Herzens (Reizbildung) sowie der Weiterleitung des elektrischen Impulses (Reizleitung) werden mit dem EKG erfasst. Rythmusstörungen können auf Herzerkrankungen hinweisen. Manchmal kann es erforderlich sein, ein besonders langes oder gar ein 24-Stunden-EKG aufzuzeichnen. So gut das EKG zur Beurteilung des Herzrythmus ist, so wenig zeigt es morphologische oder funktionelle Herzveränderungen.

Röntgen:

Der Brustkorb wird meist von der Seite geröntgt (latero-lateral). Oft wird dazu noch ein Bild in einer anderen Ebene, bei dem der Hund auf dem Rücken liegt, angefertigt (ventro-dorsal). Die Röntgenuntersuchung gibt etwa Hinweise auf die Größe des Herzens, auf Wasseransammlungen in der Lunge bzw. Ergüsse im Herzbeutel und vieles mehr.

Ultraschall:

Einige praktische Tierärzte sowie alle Veterinärkardiologen bieten dieses Untersuchungsverfahren an. Mit der Sonographie, so der Fachausdruck, können die Strukturen des Herzens sowie die Größen und Größenverhältnisse am besten beurteilt werden. Mit Doppleruntersuchungen werden die Blutströme in verschiedenen Richtungen gemessen und akustisch dargestellt. Das zeigt etwa, ob eine Herzklappe gut oder unzureichend schließt oder eine Verengung (Stenose) vorliegt. Bei der Farbdoppleruntersuchung werden die Blutströme farbig dargestellt, was die Untersuchung erleichtert und die Darstellung anschaulicher macht.

Blutdruckmessung:

Da die Messung des Blutdruckes beim Tier viel umständlicher ist als beim Menschen und sich das Erzielen genauer Ergebnisse oft als schwierig erweist, wird sie nicht routinemäßig in der Herzdiagnostik eingesetzt. Sie kann aber bei bestimmten Fragestellungen unterstützend eingesetzt werden.
 

Wie werden Herzerkrankungen eingeteilt?

Seit einigen Jahren verwendet die Tiermedizin die so genannte CHIEF-Klassifizierung der Herzerkrankungen. Diese Einteilung erleichtert neben der allgemein anerkannten Beschreibung besonders auch die Wahl der für das jeweilige Erkrankungsstadium erfolgverprechendsten Therapie.

Stadium

Beschreibung

A

Risiko einer Herzerkrankung

  • keine Strukturveränderung des Herzens
  • z.B. bei erblicher Veranlagung oder Allgemeinerkrankung

B

Herzerkrankung

  • ohne klinische Anzeichen einer Herzleistungsschwäche
  • Herzvergrößerung kann vorhanden sein

C

 

Herzinsuffizienz mit vorangegangenen oder bestehenden klinischen Symptomen

C1

Stabile Herzleistungsschwäche (vorangegangene, aber derzeit keine Symptome)

C2

Gering- bis mittelgradige Herzleistungsschwäche mit Symptomen

C3

Hochgradige bis lebensbedrohliche Herzschwäche mit Symptomen

D

Refraktäre Herzleistungsschwäche, selbst optimale Therapie bringt keine Besserung

.
Je nach Erkrankungsstadium werden Ihrem Tier gegebenenfalls verschiedene Herz-Kreislaufwirksame Medikamente verordnet. Manchmal wird eine Vermeidung von Aufregung und Belastung empfohlen. Weiterhin stehen uns spezielle Futtermittel als „
Herzdiäten“ unterstützend zur Verfügung.
Aufgrund des fortschreitenden Charakters erworbener Herzerkrankungen sollten betroffene Tiere in regelmäßigen Abständen in der Praxis vorgestellt werden, um durch gezielte Nachuntersuchungen das Tier optimal einstellen zu können und so ein langes, beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Ziel der Therapie:

  • Stärkung der Kontraktionsfähigkeit des Herzens
  • Senkung des Gefäßwiederstandes
  • Förderung der Durchblutung
  • Auflösung von Wasseransammlungen im Körper mit entwässernden Tierarzneimitteln
  • Minimierung krankhafter Umbauprozesse am Herzen

Was kann ich selbst tun?

Abhängig von der Diagnose sowie dem individuellen Krankheitsgeschehen wird Ihre Tierärztin eine zielgerichtete Betreuung Ihres Hundes empfehlen. Die nachfolgenden Empfehlungen sind daher allgemein und sollten den tierärztlichen Rat für Ihren Hund nicht ersetzten:

  • Schonung des Patienten je nach Art und Schweregrad der Herzerkrankung
  • Spaziergänge erfolgen lieber kürzer und ruhiger, aber dafür häufiger
  • Füttern Sie eher kleine Portionen mehrmals täglich
  • Das Futter sollte arm an Kochsalz sein
  • Auf Kochsalzreiche Leckerli verzichten
  • Übergewicht ist für den Kreislauf belastend und sollte vermieden werden
  • Ständig verfügbares Trinkwasser verhindert die Aufnahme zu großer Trinkmengen auf einmal
  • Besonders hohe und tiefe Umgebungstemperaturen meiden   



    Sollten Sie noch Fragen haben, so wenden Sie sich bitte an uns.
     

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