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Schilddrüsenüberfunktion bei der Katze

Die Funktion der gesunden Schilddrüse

Die Schilddrüse ist ein Drüsenorgan, das sich unterhalb des Kehlkopfes an der Luftröhre befindet. Hier werden die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) produziert, die nahezu alle Stoffwechselvorgänge beeinflussen. Spezifische Zielorgane lassen sich nur schwer ausmachen, es gibt aber in fast allen Körperzellen Rezeptoren für die Schilddrüsenhormone. Zusammenfassend könnte man sagen, die Hormone erhöhen den Sauerstoffverbrauch bei erhöhtem Energiebedarf und vermehren dabei die Wärmeproduktion. Sie haben eine stoffwechselsteigernde Wirkung. Die Hormonproduktion setzt eine ausreichende Versorgung mir Jod über die Nahrung voraus, denn es besteht eine sehr enge Beziehung zum Jodstoffwechsel. Ist zu wenig Jod in der Nahrung vorhanden, werden weniger Hormone produziert und die Schilddrüse versucht diesen Mangel durch Wachstum auszugleichen.

Wie kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse?

Die Überfunktion der Schilddrüse ist mit einer vermehrten Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen verbunden.                                                                      Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Bei der Katze findet man am häufigsten funktionell autonome Schilddrüsenadenome (gutartige Tumore), die vermehrt Hormone ausschütten und dadurch den Grundumsatz erhöhen. Die Symptome erscheinen allmählich, so dass dem Besitzer die Veränderungen an der Katze meist erst spät auffallen. Dagegen zeigen schilddrüsenkarzinomkranke Katzen früh auffällige Symptome. Karzinome  (Bösartige Tumore) werden jedoch seltener diagnostiziert. Adenome und Karzinome führen zu Vergrößerungen der Schilddrüsenlappen, die auch ertastet werden können. Diese Umfangsvermehrungen der Schilddrüse sind jedoch weniger störend für die Katze als die vermehrten Hormonausschüttungen, die aus ihnen resultieren und die zu einem Anstieg der Stoffwechselvorgänge führen. Nur selten kommt es zu direkten Störungen durch die Größe der Umfangsvermehrung wie z. B. Druck auf die Speiseröhre (Schluckbeschwerden) oder Druck auf die Luftröhre (Atemschwierigkeiten).

Wie erkenne ich, dass meine Katze eine Schilddrüsenüberfunktion hat?

Die Symptome der Schilddrüsenüberfunktion ( Hyperthyreose) ergeben sich aus dem Einfluss der Hormone auf nahezu alle Stoffwechselvorgänge. Sehr oft verlieren die Tiere Gewicht trotz guter oder sogar gesteigerter Futteraufnahme. Auch Unruhe, Durchfall, Erbrechen und übermäßige Wasseraufnahme werden häufig beobachtet. Anhand der Symptome kann die Diagnose Hyperthyreose noch nicht gestellt werden. Eine weiterführende Untersuchung ist notwendig.

Was kann ich als Besitzer tun?

Wenn Ihr Tier sich verändert hat und Symptome wie oben beschrieben zeigt, kann eine Schilddrüsenüberfunktion bestehen, die ohne Behandlung und Nichtbeachtung zu einer verkürzten Lebenszeit führen kann. Sie sollten daher das auffällige Tier sofort Ihrem Tierarzt vorstellen und die gemachten Beobachtungen beschreiben.                                                                                                   Anhand Ihrer Beobachtungen und der daraufhin eingeleiteten Untersuchungen kann die Diagnose Schilddrüsenüberfunktion gestellt werden.  Wenn dies der Fall ist, sollten regelmäßige Kontrollbesuche bei Ihrem Tierarzt eingehalten werden um die Schilddrüsenwerte zu kontrollieren. Da es eine mögliche Beeinflussung der Schilddrüsenwerte über die Fütterung gibt, sollte eine ausgewogene Ernährung mit einem ausreichenden Jodgehalt eingehalten werden. Treten noch andere zusätzliche Probleme auf wie z. B. eine Niereninsuffizienz, sollte die Ernährung mit Rücksicht auf diese Probleme zusammengestellt werden.

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Eine allgemeinen Untersuchung und Ihre Beobachtungen reichen nicht aus um eine klare Diagnose stellen zu können. Um den Verdacht zu bestätigen, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Labor                                                                                                                 Aus einer Blutprobe können die Schilddrüsenhormone bestimmt werden. Liegt eine Hyperthyreose vor, sind die Schilddrüsenhormone erhöht. Eventuell kann auch die Bestimmung des TSH (Ein schilddrüsenstimulierendes Hormon, das in der übergeordneten Hypophyse gebildet wird) erst die endgültige Diagnose ergeben. Meist ist jedoch die erste T4-Hormonbestimmung schon erhöht.               Es empfiehlt sich, aus der Blutprobe nicht nur die Schilddrüsenwerte zu bestimmen, sondern auch ein Screening der Organe vorzunehmen, da beim Vorliegen einer Hyperthyreose oftmals auch andere Parameter verändert sind, wie z. B. die Leber- und Nierenwerte (Oft leiden hyperthyreote Katzen an chronischen Niereninsuffizienzen, die sich mit der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion vorübergehend verschlechtern können. Daher sollten mindestens Harnstoff, Kreatinin und das spezifische Gewicht aus dem Harn untersucht werden.). Diese müssen bei der Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion natürlich berücksichtigt werden.

Ultraschalluntersuchung des Halses                                                                   Mit Hilfe dieser Methode lassen sich die Schilddrüsenlappen in Größe, Form und Struktur darstellen. Dies kann Hinweise darauf geben, ob es sich um ein Adenom (gutartig, meist beidseitig vergrößert) oder ein Karzinom (bösartig, meist einseitig vergrößert) handelt.

Röntgen                                                                                                             Beim Vorliegen von Karzinomen in der Schilddrüse können im Verlauf der Krankheit auch Metastasen in der Lunge auftreten. Um diese erkennen zu können, sollte eine Röntgenuntersuchung der Brusthöhle durchgeführt werden. Gleichzeitig kann mit dieser Untersuchung die Größe des Herzens ermittelt werden. Insbesondere auffällige Befunde beim Abhören des Herzens und der Lunge machen diese Untersuchung noch wichtiger, um Folgeveränderungen der Schilddrüsenüberfunktion wie Herzvergrößerung, Lungenödem usw. feststellen zu können.

Wie wird diese Erkrankung behandelt?

Zur Behandlung der Hyperthyreose gibt es verschiedene Möglichkeiten. Für alle Möglichkeiten gibt es Gründe, die dafür sprechen und welche, die dagegen sprechen.

1. Die chirurgische Entfernung der erkrankten Schilddrüsenlappen

Eine chirurgische Entfernung der kranken Schilddrüsenlappen kann schwierig sein, da Nerven, Gefäße und andere wichtige Organe geschädigt oder zerstört werden können. Auch das erhöhte Narkoserisiko bei Schilddrüsenüberfunktionen erschwert eine OP.

2. Eine Radiojodtherapie (Zerstörung des Schilddrüsengewebes mittels radioaktiver Substanzen)

Die Behandlung mit radioaktivem Jod bringt gute Ergebnisse, wird in Deutschland aber nicht mehr angewandt, da die Strahlenbelastung der Umgebung zu groß ist. Diese Methode ist lediglich für wissenschaftliche Zwecke erlaubt.

3. Thyreostatische Therapie (eine medikamentöse Behandlung, die die Schilddrüsenfunktion hemmt mittels Tabletten oder in flüssiger Form)

Für die Langzeitbehandlung haben sich in der Praxis die Thyreostatika bewährt. Durch einfache Verabreichung und relativ wenig Nebenwirkungen ist dies die in der Praxis am häufigsten angewandte Methode zur Behandlung der Hyperthyreose. Wenn eine Niereninsuffizienz als zusätzlich Erkrankung diagnostiziert wird, muss mit einer geringeren Dosis begonnen werden und die Nierenwerte kontrolliert werden.

Kann meine Katze damit alt werden?

Mit einer Therapie kann das Leben Ihrer Katze verlängert werden, da sich der Stoffwechsel wieder normalisiert. Noch wichtiger ist jedoch, dass auch die Lebensqualität deutlich gesteigert wird und nicht mehr Durchfall, Erbrechen, Unruhe oder z. B. hohe Herz- und Atemfrequenzen, sogar Atemnot das Leben Ihrer Katze bestimmen. Wie alt Ihre Katze mit einer Therapie wird, kann niemand vorhersagen und hängt auch vom gleichzeitigen Vorhandensein anderer Erkrankungen ab. Ebenso spielt eine Rolle, wie lange die Schilddrüsenüberfunktion schon vorhanden war. Damit Ihre Katze alt werden kann, sollten Sie immer aufmerksam ihr Verhalten, die Fress- und Trinkgewohnheiten beobachten und bei Veränderungen zum Tierarzt gehen.                                       Um so früher die Diagnose gestellt und mit der Therapie begonnen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, das Ihr Tier länger lebt. 

 

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